neue Couchroutine mit Nacken

Aktualisiert: 27. Apr. 2021

Ich liege im Kinderzimmer und will eigentlich auf meinem Smartphone etwas lesen. Oder rum daddeln. A. lässt mich nicht. "Namasa Buch" heißt glaube ich, dass sie noch ein Buch "lesen" möchte. Das wäre dann Nummer 5.


"Nein A., jetzt wird geschlafen." Sie legt sich auf meinen Bauch und kuschelt sich an. Ich genieße das Gefühl, ihr diese Geborgenheit geben zu können. Diese Position gefällt ihr nicht. Sie sucht sich ein anderes Körperteil aus. Kurz sind es meine Schienbeine, aber die scheinen zu ungemütlich zu sein. Sie wandert mit ihrem Kopf hoch und landet, wie immer, auf meiner Wange. Letztens hatte sie meinen Kopf in ihre beiden kleinen Händchen genommen und ruckartig zur Seite gedreht, damit sie genug Wange hat, um sich anzukuscheln. Auch das fände ich ziemlich süß, wenn nicht nur der Nacken wäre. Nach fünf Minuten wird er steif und A. macht noch keine Anzeichen müde zu sein. Der Versuch auf dem Handy zu "lesen" scheitert daran, dass sie alle Bilder auf dem Display kommentiert, die angezeigt werden. Okay, ich sollte eine Seite ohne Bilder öffnen - also suche ich mit meiner Kindle App ein neues Buch. Ich habe heute beim Wäsche einräumen einen sehr guten, witzigen Podcast gehört von Hazel Brugger und ihrem Mann. Von Hazel möchte ich mehr, also suche ich nach ihrem Buch. Als sich die Kindle App öffnet sagt A. "Baum" und erst wenige Sekunden später verstehe ich, dass sie wieder ihre Augen auf dem Display hat und das Kindle-Logo kommentierte. Na klar hat sie ihre Augen auf dem Display und nicht geschlossen. Ich lade schnell das Buch, mache das Handy dann wieder aus. Ich stelle mich schlafend. Mein Nacken wird steifer und steifer, aber das habe ich A. noch nicht gesagt. Erleichterung steigt in mir auf. Ich glaube sie wird nun müde. Ja, ihr Atem wird schwerer. Jetzt bloß nicht zu früh bewegen, atmen oder gar aufstehen. Ich bin so weit gekommen. Wieso schläft sie nicht einfach ein?

Ich glaube ich muss am Wochenende meine Fitness-Göttin und Mamaberaterin Jule anrufen. A. schlief immer super ein, aber das mit dem Nacken find ich jetzt nicht mehr so gut. Kennt ihr das? Da hat man Routinen mit dem Kind und es geht für Tage, gar Wochen gut. Dann schleicht sich auf einmal was Neues ein. Bei A. ist es Mamas Wange als ihr Kopfkissen. Wenn man das nicht erkennt, hat man als Eltern verloren. Nein, bei Kind Nummer zwei passiert uns das nicht nochmal. Sie lernt eher als mit drei Jahren, alleine einzuschlafen. Ich muss Jule anrufen.

Während ich meine Bewegungen und Atmungen aufs Minimum einschränke fängt Papa im Nebenzimmer an, die Gitarre zu zupfen. Oh nein, davon wird sie doch wieder wach. Muss er denn jetzt spielen?

Aber ich merke, dass sich A. davon nicht beeindrucken lässt. Ihr Atem ist immer noch schwer. Ja, die Augen sind zu. Noch eine Minute, dann wage ich mich raus.

Ich wage es, A. Kopf auf das weiche, riesige Kopfkissen zu legen. Eigentlich passt ihr ganzer Körper drauf. Ich umzingle sie mit weiteren Kissen, damit sie nicht durch ihre Nachaktivitäten die 10cm von der Matratze auf den Boden fällt. Die Tür quietscht, aber das nehmen die Kinder auch schon lange nicht mehr war.

Es ist 20:20h. Gut, dass man inzwischen beim ARD Livestream zurück spulen kann, sodass wir uns mit der Tagesschau über die neuesten Beschlüsse und zurück genommenen Beschlüsse "zur Bekämpfung der Pandemie" informieren können. Aber erstmal öffne ich den Laptop und fange an zu schreiben.

Rapha hat quasi neu mit dem Gitarre spielen angefangen, konnte allenfalls ein paar Akkorde spielen. Aber er hat auch Lust auf etwas Neues, auf etwas Meditatives und etwas, worauf man sich voll und ganz einlassen muss.

Ich finde es super. Statt abends die Glotze anzumachen sitzen wir nun nebeneinander und haben jeder ein bisschen "unser Ding" nach dem restlichen Alltag. Wenn wir miteinander reden würden, ginge es um die Logistik des Kita-Abholdienstes von morgen, über den Tag auf der Arbeit oder der Nachmittag mit den Kindern. Darüber, dass A.s Popo wund ist oder K. trotz seiner vier ausgeliehenen Dino-Bücher aus der Bibliothek seine wöchentliche, nun auf morgen verlegte Videozeit einfordern will.

Wir wollen uns beide gerade irgendwie neu erfinden, probieren aus, was einen zufrieden macht und - siehe da: Es bringt neuen Gesprächsstoff in die Beziehung. Reden tun wir also ein anderes Mal.

Es hört sich nicht schlecht oder schief an, was er macht, also genieße ich seine Anwesenheit, während ich schreibe. Schon wieder Tatort ist irgendwie keine Option.

Nach seiner Online-Lektion legt er die Gitarre weg: "Schauen wir mal Nachrichten oder?" Gerne. Ich schließe meinen Laptop. Heute gibt es Gitarre und Schreiben mit Keksen und Nachrichten. Und ein bisschen Nacken, aber morgen früh mach ich Yoga.


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